Tango Solidario - hier und dort

Buenos Aires, veröffentlicht in Tango Global, Band 2, April 2016          

Daniel (3) sitzt an dem großen Tisch in der Wohnküche des Kinderheims. Die Ärmchen verschränkt, schaut er mit großen, traurigen Augen in die Welt, in die neue Umgebung, die jetzt sein Zuhause sein soll. Seit gestern erst ist er in dem Heim. Er weiß nicht, warum er nicht mehr bei seiner Familie sein kann. Die Mitarbeiter des Jugendamtes hatten gute Gründe, ihn da nicht länger zu lassen. Denn roher Gewalt war er ausgesetzt und sexuellem Missbrauch. So sehr hatte man dem Kleinkind zugesetzt, dass es erst einmal eine Woche lang im Krankenhaus behandelt werden musste, bevor es ins Heim konnte. Und nun ist Daniel hier, an einem für ihn fremden Ort, in einem Heim mit 30 anderen Kindern, die er nicht kennt.

Daniel ist eines von zahllosen Not leidenden argentinischen Kindern. Dass sie Zuflucht in einem Heim finden, wo sie nicht nur ein Dach über dem Kopf haben, sondern ihnen auch Zuwendung, Respekt und schließlich auch eine Ausbildung zuteilwird, verdanken sie u.a. Tangotänzern aus aller Welt.

Tango Solidario in Buenos Aires

Das Kinderheim, in dem Daniel jetzt lebt, ist eine von drei Einrichtungen, etwa 30 km vom Stadtzentrum von Buenos Aires entfernt, die von der Initiative „Tango Solidario“ unterstützt werden. Die Tangoszene von Buenos Aires ist nämlich nicht nur eine Welt der Musik und eines einzigartigen Tanzes, der Menschen so viele Glücksmomente beschert. Sie ist auch eine Welt der Solidarität, des Mitempfindens und der Hilfsbereitschaft. Denn der argentinische Staat unterstützt Hilfsbedürftige, wenn überhaupt, nur in äußerst geringem Maße. Da, wo staatliche Hilfe ausbleibt oder nicht ausreicht, springen die Tangotänzer mit einer wunderbaren Erfindung ein: den Benefiz-Milongas.

Die Initiative JugarxJugarSolidariamente von Hugo Maffi etwa hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch über die Tangoszene hinaus auf solche Heime, Schulen und soziale Projekte aufmerksam zu machen, die der Hilfe am dringendsten bedürfen. Interessierte können dann wählen, welche Einrichtung sie unterstützen wollen und auf welche Art.

Darüber hinaus laden Hugo Maffi und Maria Aragon allmonatlich, jeden zweiten Sonntag in Buenos Aires zu ihrer Milonga Solidaria ein, und engagieren sich so fortwährend für die gute Sache.

Die Initiative von Atilio Veron in der Milonga „La Nacional“, um ein drittes Beispiel zu nennen, verfolgt das gleiche Ziel: Geld zu sammeln, damit die nicht selten karge Lebensumgebung in den Heimen ein wenig besser gestaltet werden kann. Wenn sie schon die Not der Kinder nicht ändern können, so wollen die Tänzer doch einen Beitrag leisten, ihnen eine menschenwürdige Kindheit und eine Zukunft zu geben.

Tango Global ist erhältlich bei:

https://www.amazon.de/Tango-global-Band-Pionierinnen-Streiflichter/dp/386906885X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1468203175&sr=1-1&keywords=tango+global+band+2

Mehr Information: http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-argentino-berlin-buch-trilogie/tango-berlin-band-2.